Auf Spurensuche im Ruhrgebiet
Die Klasse 7a der Hauptschule Bünde besucht die Zechen Zollverein und Zoller II/IV
Bünde (BZ). Keine Branche hat die Menschen an der Ruhr so geprägt wie der Bergbau. Schüler der Hauptschule Bünde gingen nun auf Spurensuche im ehemaligen Kohlerevier. Kohle sättigte den Energie-hunger von Industrie und Menschen. Kohle war der Grundstoff der Chemieindustrie und Stahlerzeugung. Am Beispiel der Städte Essen (die Kulturhauptstadt 2010) und Dortmund wollen die Schülerin- nen und Schüler gemeinsam mit ihrer Klassenlehrerin Elke Schoenfelder und dem Referendar Lutz Krause verschiedene Fragen klären: Warum war das Ruhrgebiet einmal der Inbegriff deutscher Industriestärke? Welche Spuren haben die Kohle- und Stahlkrise hinterlassen? Wie sah die Lebenswelt der Bergleute und ihrer Familien zwischen Schacht und Kohle aus? Wie waren die Arbeitsbedingungen im Berg- bau? Ist dem Ruhrgebiet der Strukturwandel gelungen? | ![]() Mit Stirnlampe und Helm: Alina (l.) und Fatma auf dem Gelände der Zeche Zollern II/IV in Dortmund |
![]() Wie die Bergleute: Die Klasse 7a der Hauptschule Bünde mit Klassenlehrerin Elke Schoenfelder und Referendar Lutz Krause. Pia Messerschmidt, Yunus Cakir, Ruben Dilge und Kimberley Ebner staunen über die riesigen Förderräder. | Ausgangspunkt der Exkursion ist die Zeche Zollverein Essen, die als größte Steinkohle-Förderanlage zum Unesco-Welterbe gehört. Das Areal der ehemaligen Zeche Zollverein liegt mitten im Ruhrgebiet und damit auch ziemlich genau im Zentrum des Landes Nordrhein-Westfalen. Heute ist diese Mitte kein Ort der Montanindustrie mehr, sondern ein riesiges Museum. Die Zollverein-Zechen stehen beispielhaft für die Geschichte der Industrialisierung und des Steinkohlebergbaus vom 19. Jahrhundert bis zur Kohlekrise und sind gleichzeitig ein Symbol für den Strukturwandel im Revier. Dass die Ruhrindustrie ein Schwergewicht war, wird besonders beim Anblick riesiger Kessel, bei denen Schrauben und Muttern enorme menschliche Kräfte erfordern, deutlich. »Die Größe des Geländes, auf dem einst 8000 Kumpel arbeiteten, die Technik und Mechanik sowie die Kontrolle über alles zu haben, ist sehr beeindruckend«, meinten Ruben und Eric. Andere Schüler waren über die mangelhafte Hygiene und den fehlenden Arbeitsschutz im Untertagebau erstaunt. »Jetzt weiß ich erst, wie hart mein Opa früher geschuftet hat, um Geld für die ganze Familie zu verdienen«, bemerkte Yunus nachdenklich. Um einen Einblick in die Wohnverhältnisse von Industriellen und Arbeitern zu gewinnen, besichtigten die Jugendlichen zunächst die bekannte Arbeiter-siedlung Gartenstadt | Margarethenhöhe, benannt nach ihrer
Stifterin Margarethe Krupp, ein Paradebeispiel für zweckmäßige und menschenfreundliche Siedlungsweise
»minderbemittelter Klassen«. Im Anschluss daran folgte die Villa Hügel (Wohnort der Familie Krupp) mit ihren 269 Räumen und dem 28 Hektar großen Park. Die Schülerinnen und Schüler staunten nicht schlecht beim Anblick dieses Anwesens. Im ehemaligen Fördermaschinen- haus der Zeche Zollverein konnte die Gruppe im Phänomania Erfahrungsfeld auf Entdeckungsreise gehen und an über 80 Stationen lernen, die Umwelt bewusst wahrzunehmen. Im Vordergrund standen Fragen wie: Was sehe, höre und fühle ich? Nehmen die anderen Menschen alles genauso wahr wie ich? Für die Jugendlichen und ihre Begleiter war es eine neue Erfahrung, Schwerelosigkeit zu erleben oder auf festem Boden das Gleichgewicht zu verlieren. »Total spannend, weil man oft im Alltag Dinge oberflächlich wahrnimmt ohne darüber nachzudenken«, meinte Tobias. Den Abschluss der Tagesexkursion bildete der Besuch der Zeche Zollern II/IV in Dortmund, eine Musterzeche aus dem deutschen Kaiserreich. Hier erfuhren die Schülerinnen und Schüler vom ehemaligen Steiger Harald vieles über die Lebens- und Arbeitswelt der Bergleute im Ruhrgebiet. Bilder von Elke Schoenfelder Dienstag, 01. 06. 2010 |

